Ein nahtloser Übergang
03.06.2020 ArniKevin Tobler steigt vom Stellvertreter zum Gemeindeschreiber auf
Seit gestern sind die Rollen auf der Gemeindeverwaltung Arni neu verteilt. Kevin Tobler hat das Amt des Gemeindeschreibers von Marco Widmer übernommen, der jetzt in derselben Funktion in Oberlunkhofen wirkt. Für Tobler wird sich dadurch nicht viel ändern.
Roger Wetli
Der gebürtige Wetziker ist auf der Verwaltung von der Nummer 2 zur Nummer 1 aufgestiegen. «Grosse Umwälzungen habe ich nicht geplant. Diese hätte ich in den letzten acht Jahren bereits anstossen können», erklärt Kevin Tobler. Er setzt trotz des Wechsels auf Konstanz. «Als kleine Verwaltung unterstützen wir uns sowieso alle gegenseitig, wo es geht. Darum haben wir auch in die verschiedensten Geschäfte Einblick.»
Tobler war bis Ende Mai stellvertretender Gemeindeschreiber und Leiter der Bauverwaltung. Seit vorgestern arbeitet er nun als Gemeindeschreiber. Die Leitung der Bauverwaltung behält er. Mit Aline Lorgé konnte eine neue stellvertretende Gemeindeschreiberin angestellt werden. Sie arbeitete zuvor auf der Verwaltung in Unterlunkhofen und hat ebenfalls die Ausbildung zum Gemeindeschreiber absolviert. «Wir schauen jetzt, wie wir zwischen uns die Aufgaben optimal verteilen können.»
Aus dem Zürcher Oberland
Der 33-jährige Kevin Tobler absolvierte seine kaufmännische Ausbildung auf der Stadtverwaltung in Wetzikon, wo er auch aufgewachsen ist. Nebenbei war er aktiver Computerspieler und Programmierer. Nach der Lehre wollte er sein Hobby zum Beruf machen und studierte zwei Jahre lang Informatik. «Ich brach ab, weil ich merkte, dass dies als Hobby für mich passt, aber als Job nicht», blickt er zurück. Er kehrte zurück auf die Verwaltung, wo er in Fehraltorf die Stelle als stellvertretender Bauverwalter annahm und daneben die Ausbildung zum Gemeindeschreiber absolvierte.
Westwärts nach Arni führte ihn der Zufall. «Gemeindeammann Heinz Pfster hatte Kontakte nach Fehraltorf. Als sie jemanden suchten, wurde ich vorgeschlagen und angefragt. Ich musste zuerst nachschauen, wo Arni überhaupt liegt», lacht er. Sein Hobby erleichterte ihm den Entscheid. «Ich war Teil des Teams Switzerland – des Schweizer Nationalteams für Videogames. Viele daraus entstandene Bekanntschaften wohnten in Affoltern am Albis, weshalb ich diese Gegend kannte.» Damals sei das Internet noch nicht so schnell gewesen, dass jeder für sich zu Hause spielte. Deshalb wurden Computer in grossen Räumen miteinander vernetzt. «Das hatte den Vorteil, dass man die Mitgamer auch persönlich kennenlernte.»
Mit offenen Armen empfangen
Zwei Wochen pendelte er durch den Gubrist nach Arni. «Dann hatte ich genug, und bin ins Aeugstertal gezogen, wo ich noch heute lebe.» Die Gemeinde liegt nur zehn Autominuten von Arni entfernt. «Das genügt, um Abstand von der Arbeit zu halten, und ist trotzdem sehr nahe», schwärmt Kevin Tobler. Einen Monat vor ihm trat sein Vorgesetzter Marco Widmer seine Tätigkeit auf der Verwaltung an. «Wir kannten uns vorher noch nicht, verstanden uns aber sofort sehr gut. Von den anderen Angestellten und durch den Gemeinderat wurden wir mit offenen Armen empfangen. Die Stimmung ist nach wie vor hervorragend.» Dass er «nur» die Nummer 2 war, störte ihn nie. «Ich kannte meine Rolle. Zudem hatte ich als Leiter der Bauverwaltung bereits eine Hauptverantwortung.» Anders als Marco Widmer, der bereits als stellvertretender Gemeindeschreiber in Oberlunkhofen tätig war, musste Tobler die Gegend erst kennenlernen. Nicht schwer fel es ihm, dass im Kanton Zürich Gelernte im Aargau anzuwenden. «Eine Gemeindeverwaltung funktioniert in der ganzen Schweiz etwa gleich. Die Aufgaben und Themen ähneln sich. Anders sind einzig die gesetzlichen Grundlagen und Begriffe», erklärt er. Während seiner Ausbildung habe er aber gelernt, wo und wie man Grundlagen findet und anwenden kann. Kevin Tobler sieht seine Rolle in erster Linie als diejenige eines Dienstleisters an die Bevölkerung. «Als Gemeindeverwaltung sind wir der erste Ansprechund Auskunftspartner, was staatliche Dinge betrifft. Wir vermitteln und helfen weiter.» Als neuer Gemeindeschreiber wird er künftig noch öfter in Kontakt mit dem Gemeinderat sein und dessen Geschäfte vorbereiten. Eine Herausforderung sei die Einführung von neu gewählten Gemeinderäten. «Ich helfe, sie in die Themen so einzuarbeiten, dass sie nicht gleich durch die dicken Dossiers erschlagen werden.»
Projekte bald abschliessen
Mit seiner neuen Funktion möchte er dazu beitragen, dass die teils langjährigen Projekte bald abgeschlossen werden. Dazu zählt er zum Beispiel alle Gestaltungspläne, das neue Friedhofsreglement und die Gemeindeschür. Für viele Themen war er bereits als Leiter der Bauverwaltung verantwortlich. «Ich mag es nicht, wenn Berge an Dossiers lange herumliegen.» Daneben freut er sich, zusammen mit dem Gemeinderat neue Projekte anzupacken.
Dieses Jahr möchte der Kanton eine Plattform einführen, in der Baugesuche digital eingereicht werden können. «Ich bin gespannt, wie es funktioniert, und freue mich darauf», erklärt der Informatik-Begeisterte. Er hofft, dass die Gemeinde in den nächsten zehn Jahren ihr aktives Dorfeben erhalten kann. «Es besteht leider die Tendenz, dass Arni zunehmend zum Schlafdorf werden könnte. Also zu einem Ort, in dem die Bewohner nur noch nächtigen, aber sonst nichts miteinander zu tun haben.» Er verspricht sich, dass das geplante Dorfzentrum dagegen Impulse geben könnte. Kevin Tobler freut sich, in die neue Funktion hineinwachsen zu können, und verspricht: «Für konstruktive Kritik und für Vorschläge werde ich immer ein offenes Ohr haben.»