Die Rückkehr der Kultur

  16.06.2020 Kultur

Verantwortliche des Kellertheaters arbeiten am Spielplan ab Spätsommer

Jäh gestoppt wurde die Aufführungsperiode der erfolgreichen Eigeninszenierung von «Macbeth» im Kellertheater. Hinter den Kulissen werden nun Optionen und Zeitpläne für eine Wiederaufnahme des kulturellen Gesamtprogramms inklusive der Gastspiele evaluiert.

André Widmer

Es war Freitag der Dreizehnte. Wenige Stunden vor einer weiteren Aufführung der erfolgreich angelaufenen Eigeninszenierung von «Macbeth» zogen die Verantwortlichen des Kellertheaters Bremgarten im März die Reissleine und sagten den Auftritt aufgrund der Coronaviruspandemie ab. Seitdem hängen die Kostüme praktisch unberührt in der Garderobe und das Bühnenbild steht da, als wären erst gestern die Schauspieler nach Hause gegangen.

Drei Monate sind mittlerweile vergangen seit dem Saisonstopp im Kellertheater. Nun gibt es endlich ein Licht am Ende des Tunnels: Mit einem weiteren Lockerungsschritt bei den Massnahmen ermöglicht es der Bundesrat, dass auch Theater wieder ihren Betrieb aufnehmen dürfen – mit maximal 300 Zuschauern und sofern die Sicherheitsregeln eingehalten werden können. Im Kellertheater hiesse das beispielsweise bei «Macbeth», dass noch 50 statt 130 Zuschauer in den Saal dürften. Die vorderste Reihe müsste komplett leer bleiben, weil die Schauspieler dem Publikum sonst zu nahe kämen. Die Zuschauer könnten in den verbleibenden Reihen versetzt sitzen, damit die Abstände eingehalten werden.

Auch die Schauspieler schützen

Eine andere Herausforderung: Bei der Handlung kommen sich die Akteure körperlich nahe. Das ist derzeit nicht erlaubt. Für das Kellertheater sowie den Regisseur und Autor Simon Ledermann gibt es deshalb nun drei Optionen für die geplante Wiederaufnahme im Herbst: Die Inszenierung auf die Abstandsregeln anzupassen, die Hoffnung auf eine Aufhebung der Abstandsregeln oder dann eine Absage. Die Verantwortlichen beim Kellertheater schauen jedenfalls mit einer Portion Zuversicht in die Zukunft.

Das heisst, sie planen eine Wiederaufnahme der «Macbeth»-Proben ab September. Geht alles nach Plan, könnte am 9. Oktober die «Re-Premiere» steigen, gefolgt von acht Aufführungen. Die Dernière wäre am 24. Oktober. Man rechnet mit sechs Proben im Vorfeld. «Es steht und fällt mit dem Regisseur», gibt Andrea Louys vom Ressort Eigeninszenierungen zu bedenken. Denn die Entscheidung dürfte nicht zuletzt auch vom Aspekt abhängen, dass einige Schauspieler der sogenannten Risikogruppe angehören. Es gebe die Verantwortung, dass es für alle stimmen müsse, erklärt Andrea Louys. Auch die für die Gastspiele zuständige Gruppe blieb in den letzten Wochen nicht untätig hinter den Kulissen. Sie hat mit Künstlerinnen und Künstlern sowie Agenturen Kontakt aufgenommen, um die Saison 2020/2021 zu planen. Auch dies natürlich eine aufwendige Arbeit.

Das Gastspielprogramm wird um die verschobenen Aufführungen der Eigeninszenierung herum gebaut, so kann das «Macbeth»-Bühnenbild stehen gelassen werden. Der Auftakt ist so oder so ausserhalb des Hauses vorgesehen: Zwischen dem 2. und 5. September ist ein literarischer Spaziergang mit dem Schriftsteller Silvio Blatter durch seinen Heimatort Bremgarten geplant. Es werden Stationen seines Lebens im Reussstädtchen besucht. Natürlich muss die Besucherzahl beschränkt werden, aber eine doppelte Durchführung mit Ersatzdatum ist eingeplant. Das provisorische Programm sieht Gastspiele bis tief ins Jahr 2021 vor.

Es ist dem Kellertheater gelungen, eine Vielzahl der Künstlerinnen und Künstler, deren Bremgarter Auftritte in diesem Frühjahr abgesagt werden mussten, erneut zu engagieren. Darunter sind Hanspeter Müller-Drossaart («Bajass»), Guy Krneta und Ruedi Schmid oder auch Patti Basler mit Philippe Kuhn («Nachsitzen»). «Wir haben mit allen geredet und konnten verschieben, teilweise bis in den Mai 2021», erklärt Heidi Ehrensperger.

«Infiziert» pausiert

Während das Figurentheater im November stattfnden soll, ist schliesslich vom mehrmonatigen Programmausfall das Nachwuchsprojekt «Infziert» stark betroffen. «Infziert» muss eine Zwangspause machen, was den Verantwortlichen nicht leichtgefallen ist. «Ein Jahr fällt es aus, in der Hoffnung, dass es 2021 stattfndet», so Melchior, Medienverantwortlicher des Kellertheaters. Gemäss Silvan Melchior hat dies mit der zeitlichen Länge des Organisationsprozesses zu tun, der rund ein Dreivierteljahr in Anspruch nehme – von der Ausschreibung zum Engagement der Leitung über Proben. «Die Jugendlichen werden einen internen Abschied haben, um sich nochmals zu sehen und die Sache etwas weniger abrupt ausklingen zu lassen.»

Zeitlich verschoben wiederum ist das Programm der Jungen Bühne. Diese war gerade erst in der Initialphase. Doch weil die Eigeninszenierung in den Herbst verlegt wurde, wird die Junge Bühne erst im Frühjahr 2021 auftreten. Um danach wieder in den üblichen Zeitrhythmus zurückkehren zu können, wird jedoch im nächsten Jahr auf eine Eigeninszenierung verzichtet.

Angepasstes Schutzkonzept

Auch das Kellertheater Bremgarten wird ein individuell angepasstes Schutzkonzept haben, um die bestehenden Regeln umsetzen zu können. Dieses dürfte sich auf die Vorgaben des Kleintheaterverbandes abstützen. Hygienemassnahmen inbegriffen selbstverständlich. Auch wenn fast 1000 Ticketreservationen – viele für «Macbeth» – storniert werden mussten: Finanzielle Einbussen musste das Kellertheater Bremgarten kaum erleiden, weil es Gastrecht von der Ortsbürgergemeinde geniesst. Diese stellt das Gebäude für die Kulturveranstalter zur Verfügung. Und der Verein setzt auf Freiwillige, es entstehen auch keine Mitarbeiterkosten. «Die Pause verursacht keine Kosten. Aber die Eigeninszenierung 2021 fehlt im Budget», gibt Silvan Melchior zu bedenken.

Eines ist klar: Der Hunger und Durst nach Kultur nach der langen Zwangspause dürfte bei vielen Leuten da sein.


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